Reitz Talentschmiede
Muss man einen Spleen haben, um im Schlaf aufsagen zu können, wofür die Abkürzungen SAG, EVE, AWG, AWV, ICP, AGG, NTA oder ATA stehen? Um auf eigenen Wunsch zum Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle nach Frankfurt am Main zu reisen und dort Gleichgesinnte zu treffen, die für Ausfuhrrecht, Gesetzestexte und Zollbestimmungen brennen? Vielleicht braucht man ihn nicht unbedingt, aber schaden kann er sicher nicht, wie die Karriere unseres Logistikleiters Sven Kröning beweist.
»Am Anfang wurde ich gefragt, ob BAFA eine neue Form von BIFI sei«,
erinnert sich Sven Kröning während er die Brille mit der Geste eines Mannes zurechtrückt, den selbst der verschlungenste Paragraphendschungel nicht aus der Ruhe zu bringen vermag.
»Inzwischen wissen die meisten, warum diese Themen für Unternehmen, die Produkte ins Ausland exportieren, überlebenswichtig sind.« Als Beispiel führt er die Krim-Affäre an, die Siemens in die Schlagzeilen brachte. Ursprünglich für das russische Festland bestimmte Turbinen waren über Umwege auf die Krim gelangt und dort in Kraftwerke verbaut worden. Die verantwortlichen Mitarbeiter gerieten unausweichlich in den Fokus der Justiz. Denn solange nicht mit allen Mitteln geprüft und wenn möglich verhindert wird, dass eigene Produkte in Länder geliefert werden, die von einem Embargo betroffen sind, drohen empfindliche Strafen bis hin zu Gefängnis.
Irgendwas zwischen Umsatzverhinderer und Schutzschild
Nicht zuletzt aufgrund derart unkalkulierbarer Risiken genießt Sven Kröning seit vielen Jahren hundertprozentige Unterstützung für die intensive Auseinandersetzung mit komplexen Ausfuhr- und Embargothemen. An einem bestimmten Punkt seines beruflichen Werdegangs hatte er die Weichen gezielt in diese Richtung gestellt. Teil der Reitz Unternehmensstrategie ist es, sich auf die Stärken jedes Einzelnen zu konzentrieren und so hatte er sich gemeinsam mit der Geschäftsleitung die Frage gestellt und beantwortet: »Wie kannst du unserem Unternehmen am besten helfen?« Da es zu diesem Zeitpunkt niemanden gab, der sich ernsthaft mit Ausfuhrrecht auskannte und das Thema aufgrund der Risiken immer relevanter wurde, fiel die Antwort leicht. Heute ist Sven Kröning aufgrund zahlreicher BAFA-Fortbildungen und seiner unverminderten Neugier ein ausgewiesener Spezialist, der bei manchen Anfragen zum Leidwesen des Vertriebs Veto einlegen muss. »Natürlich macht es keinen Spaß, wenn einem der Ruf des »Umsatzverhinderers« vorauseilt. Andererseits bin ich mit meiner Arbeit auch so etwas wie ein Schutzschild für das Unternehmen und die Geschäftsleitung. Am Ende des Tages wäre die in der Verantwortung, wenn etwas schiefläuft.«
»Nimm mal nur die Hälfte der Tabletten«
Ein Gefühl, das sich der gelernte Industriekaufmann trotz der alltäglichen Kämpfe und Herausforderungen bewahrt hat, ist das der Dankbarkeit. »Wenn mir als Azubi einer gesagt hätte, dass ich eines Tages als Abteilungsleiter für 25 Mitarbeiter verantwortlich sein würde, hätte ich gesagt: Nimm mal nur die Hälfte der Tabletten.«
In Unternehmen, die wachsen und sich weiterentwickeln, tauchen regelmäßig neue Aufgabenstellungen auf, für die es nicht unmittelbar ausgewiesene Experten gibt. Vielmehr bieten sie die Chance, sich mit persönlichem Engagement ein eigenes Kompetenzfeld aufzubauen. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich, dass der Wunsch nach individueller Weiterentwicklung ernst genommen und gefördert wird. Auf dem Weg vom Azubi des Jahres 1997 zum Logistikleiter 2019 hat Sven Kröning kontinuierlich die für den nächsten Schritt erforderliche Unterstützung erfahren. »Ohne diese Möglichkeiten wäre ich heute ein ganz anderer Mensch und hätte mich nicht so entwickelt.« Neben schwarzen Zahlen wünscht er sich in seiner heutigen Rolle als Mitgestalter, genau diese Basis für die Entwicklung jedes Einzelnen und des Ganzen an die nächste Generation weitergeben zu dürfen.
Schritt für Schritt – mein Weg bei Reitz
1997 habe ich meine Ausbildung als Industriekaufmann bei Reitz angefangen. Darauf folgte der Zivildienst. Während ich noch Zivi war, habe ich mich auf eine freie Stelle in der Logistik beworben und direkt am Tag nach meinem Bewerbungsgespräch mit Franz-Josef Pollmann meine Stellung angetreten. Zugute kam mir, dass ich keine Berührungsängste mit dem Zollrecht hatte. Im Gegenteil. Während sich die logistischen Aufgaben zusehends in Richtung Dokumentation, Ausfuhrrecht usw. verschoben, wurde ich relativ früh Leiter der Logistik, konnte mir zu diesem Zeitpunkt aber nicht vorstellen, die nächsten Jahrzehnte in dieser Position zu arbeiten. Viel zu spannend fand ich damals beispielsweise das aufkommende Thema Qualitätsmanagement. Nach einiger Zeit als Qualitätsbeauftragter wurde mir allerdings klar, dass QM eher nicht meine Herzensangelegenheit werden und ich am liebsten in mein Fachgebiet zurückzukehren würde, obwohl die Position des Logistikleiters inzwischen besetzt war. Also bin ich mit der Spezialisierung auf Datenschutz und Ausfuhrrecht quasi als Quereinsteiger in meine alte Abteilung zurückgekehrt und habe mein eigenes Fachgebiet aufgebaut. Im August 2016 durfte ich die vakant gewordene Stelle des Logistikleiters erneut übernehmen. Was mir nach wie vor extrem viel Freude macht, ist die Tatsache, dass ich jeden Tag etwas Neues dazulernen kann.
