Wir leben im Zeitalter der Globalisierung – die ganze Welt ist vernetzt. Viele Unternehmen sind international tätig und immer häufiger trifft man auf die unterschiedlichsten Kulturen. Dies ist einerseits sehr spannend, erfordert aber auch die Fähigkeit, mit internationalen Kollegen und Kunden angemessen umgehen zu können. Ein Auslandsaufenthalt ermöglicht das Erlernen dieser interkulturellen Kompetenz. Auch die REITZ Gruppe bietet über einen unternehmensinternen internationalen Austausch die Gelegenheit, Auslandserfahrungen zu sammeln und Einblicke in die Prozesse an anderen Standorten zu erhalten. Fabian Deppe (KRV) und Charlie Yao (RFS) nahmen an diesem Austauschprogramm teil und berichten von Ihren Erfahrungen während des Auslandsaufenthalts.

Fabian Deppe (FD) absolvierte seine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Reitz und studiert im 5. Semester Wirtschaftsingenieurswesen  an der Fachhochschule Bielefeld. Der derzeitige Werksstudent wird nach seinem Abschluss wieder im Unternehmen tätig sein.  Für sechs Wochen reiste er aus dem beschaulichen Höxter in die Millionenmetropole Suzhou, um bei REITZ Fans Suzhou (RFS) Einblicke in die Fertigungsprozesse zu gewinnen und bei der Optimierung der Abläufe mitzuhelfen.

Charlie Yao (CY) ist der designierte Fertigungsleiter für die Produktionsstätte in China. Während seines zweiwöchigen Aufenthalts in Höxter wurden ihm ebenfalls Einblicke in die Fertigung gewährt. Diese Erfahrungen sollen ihm auch bei der Umsetzung seiner Ziele bei RFS weiterhelfen.

 

The Fanfamily: Charlie Yao (links) und Fabian Deppe (3. von rechts) während eines Ausflugs.








Fabian, wann ist die Idee entstanden, ins Ausland nach China zu gehen?

(FD) Die Idee dazu ist im Januar dieses Jahres entstanden. Ich hatte schon immer den Wunsch, einmal ins  Ausland zu gehen. Daher habe ich Frau Voß in einem Gespräch gesagt, dass ich Interesse daran hätte. Sie fand die Idee super und hat direkt von ihren eigenen Erfahrungen aus ihrer gemeinsamen Zeit mit F. Voß in Singapur erzählt.  Daraufhin hat sie Kontakt mit Herrn Breder aufgenommen. Auch er fand die Idee wirklich gut. Es folgte ein Motivationsschreiben, anschließend einige Meetings über das Thema und des Ziels der Reise.

Zwischen China und Deutschland liegt nicht nur ein Katzensprung und für eure mehrwöchigen Aufenthalte galt es viel zu organisieren. Der Flug musste gebucht und eine Unterkunft gefunden werden. Bekamt ihr hierbei Unterstützung?

(FD) Für mich war das super einfach. Frau Kuhne hat sich um alles gekümmert. Das einzige was ich machen musste, war, Informationen über mich für das Visum bereitzustellen.  Das genaue Datum der Anreise sowie das der Abreise konnte ich mir selbst aussuchen, weshalb ich extra einen Termin nach dem Weltmeisterschaftsfinale, mit der Hoffnung auf deutsche Beteiligung, auswählte. Was man sich wohl hätte ersparen können. Anschließend wurden über das Reisebüro der Firma verschiedene Vorschläge für Flugrouten und Fluggesellschaften eingeholt, denen ich nur noch zuzustimmen brauchte. Das Aparthotel in dem ich während des Aufenthalts wohnte, wurde von den chinesischen Kollegen gebucht. 

(CY) Auch für mich wurde die Unterkunft organisiert. Ich wohnte während meines Aufenthalts im Hotel Niedersachsen. Die Unterkunft gefiel mir sehr gut.

Wie war euer Gefühl bei der Ankunft im fremden Land? Die Arbeit in einem „neuen Betrieb“ stand bevor. Wart Ihr nervös wegen der neuen Herausforderung?

(FD) Von Nervosität würde ich hier nicht sprechen. Ich würde eher sagen, dass ich Respekt vor der Aufgabe/Reise hatte. Man muss bedenken, man fliegt ja mit dem Bild von China hin, was einem über die deutschen Medien so vermittelt wird und dies ist nicht unbedingt immer positiv. Während meiner Reise wurde ich aber eines Besseren belehrt. Mein Eindruck von den Chinesen ist, dass sie wirklich herzlich, offen und vor allem respektvoll gegenüber Ausländern sind. Auch war die Unterstützung durch die Kollegen sehr gut – was mir den Aufenthalt auch sehr erleichtert hat. Wegen der Arbeit in der „neuen“ Firma war ich wirklich nicht nervös. Durch viele Gespräche mit der Geschäftsleitung wurde ich ideal darauf vorbereitet. Letztlich wird dasselbe Produkt, nur an einem anderen Ort, gefertigt.

(CY) Mir ist als erstes die schöne Natur aufgefallen. Es ist sehr ruhig, es gibt sauberes Wasser, einen blauen Himmel, frische Luft und viele grüne Bäume. Das ist schon ein großer Unterschied zu China. Die Leute in Deutschland empfinde ich als sehr freundlich, sodass ich mich an meinem „neuen“ Arbeitsplatz sofort wohl gefühlt habe. Nervös war ich also nicht.

Ihr konntet eure ersten Eindrücke etwas sacken lassen und der erste Arbeitstag stand bevor. Wie seid ihr zur Arbeit gekommen? Woher wusstet ihr, wo genau ihr hin musstet?

(FD) Auch das war wieder super organisiert. Am Abend meiner Ankunft hat mich Herr Frantz durch die chinesische „Gemeinde“ geführt und mir gezeigt, wo das Bürogebäude ist. Dies ist vom Hotel gut zu Fuß zu erreichen.  Die Produktionsstätte von RFS liegt im Suzhou Industrial Park und kann nicht zu Fuß erreicht werden. Um dorthin zu gelangen wurde ein Fahrer der Firma gestellt, der mich täglich vom Hotel abgeholt, zur Firma und anschließend wieder zurückgebracht hat.

(CY) Am ersten Arbeitstag hat Fabian mich herumgeführt und alles gezeigt. Die Produktionsstätten  und die Büroräume. So konnte ich die neuen Arbeitskollegen schon einmal kennenlernen. Die Kollegen S. Kister, S.  Kröning und M. Struck haben mich während der Zeit ebenfalls unterstützt. Das war wirklich sehr hilfreich.

Wie waren deine Eindrücke vom Unternehmen und vom Firmengelände? Gibt es große Unterschiede zum chinesischen Standort?

(CY) Reitz Ventilatoren liegt in einem kleinen und ruhigen Dorf, umrandet von Bergen und Wäldern. Eine sehr schöne Umgebung. Die Hallen sind gut organisiert, aufgeräumt und größer als die Produktionsflächen in China. Hier in China sieht es etwas anders aus. Die Fertigung liegt in einer Industriestadt mit großen Menschenmassen und die Produktionsflächen in der Fertigung sind kleiner als in Höxter. Hier sollten in Zukunft Verbesserungen vorgenommen werden. 

Fabian, du hattest dir das Ziel gesetzt, während deines Aufenthalts bei der Optimierung der Fertigungsprozesse mitzuwirken. Inwieweit konntest du mithelfen?

(FD) Zu Beginn meiner Untersuchung habe ich mir alle Prozesse nach dem Eingang des Auftrags bis hin zum Versand der Ventilatoren angesehen. Weniger ging es dabei um technische Angelegenheiten innerhalb der Fertigung. Ich denke mit meiner Arbeit konnte ich einen guten Beitrag zur weiteren Optimierung innerhalb der genannten Prozesse leisten. So wurde in den Abläufen einiges an Beschleunigungspotenzialen, redundante Tätigkeiten und viele weitere Optimierungspotenziale identifiziert.  Außerdem wurde nach einer Analyse des Materialflusses das Hallenlayout geändert. Das wesentliche Ziel dabei bestand in der Implementierung eines Kommissioniersystems, welches die nachgelagerten Abteilungen mit allem benötigten Materialien versorgen soll. Als Vorbild hierfür dient die Umsetzung im deutschen Werk. Neben einem deutlich erkennbaren Gewinn an Ordnung wird dadurch in Zukunft eine Steigerung der Produktivität bzw. Effizienz im chinesischen Werk zu erwarten sein.

Und wie wurdest du von den Kollegen aufgenommen? Waren die Mitarbeiter deinen Vorschlägen gegenüber aufgeschlossen, oder gab es eine ablehnende Haltung?

(FD) Von den Kollegen wurde ich wirklich gut aufgenommen. Ideen und Vorschläge wurden mit großem Interesse angenommen und teilweise direkt umgesetzt. Einige Vorschläge sind natürlich auch auf Ablehnung gestoßen, was aber bei Veränderungen in Unternehmen immer der Fall und wohl auch normal ist.

Charlie, wie war es bei dir?

(CY) Auch ich wurde sehr gut aufgenommen. Ich spreche ein wenig Deutsch und habe versucht kleinere Unterhaltungen auch auf Deutsch zu führen. Die Kollegen haben mir alles mit viel Geduld gezeigt und erklärt. Das hat mir sehr geholfen weitere Erfahrungen zu sammeln.

Fabian, was kannst du zur Arbeitsmentalität in China sagen? Gibt es große Unterschiede zu Deutschland?

(FD) In China ist der Alltag durch Arbeit geprägt, während die Menschen in Deutschland zunehmend auf ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit aus sind. Obwohl es im chinesischen Werk festgelegte Arbeitszeiten von 8 Stunden am Tag gibt, leisten viele Kollegen Überstunden. An den Wochenenden wird nicht gearbeitet. Im Rahmen meines Aufenthalts habe ich mich daran angepasst.

Natürlich hattet ihr nach der Arbeit auch Zeit, das Land, die Kultur und vor allem die Menschen außerhalb des Büros kennenzulernen. Wie sah eure Freizeitgestaltung aus?

(FD) Nach der Arbeit war ich häufig im Fitnessstudio, weil ich das hier in Deutschland auch mache. Bezahlen musste ich dafür nicht, da Jennifer (Lin) mir hierfür Freikarten bereitgestellt hat. An den Wochenenden habe ich meist Zeit mit den chinesischen Kollegen verbracht. Hervorheben möchte ich hier Charlie. Teilweise hat er den ganzen Tag von morgens bis abends durchgeplant. An diesen Tagen haben wir Tempel besucht, waren Wandern, in Shanghai oder einfach in verschiedenen Restaurants wie koreanische, japanische oder traditionelle chinesische.

(CY) In meiner Freizeit habe ich viel mit Fabian unternommen. Zum Beispiel haben wir mit seiner Familie gegrillt, wir haben mit den Kollegen das benachbarte Unternehmen TH Geyer besichtigt, waren auf dem Schießstand, in einer Brauerei, haben das Schloss Corvey und Kirchen besucht. Bei den Besuchen konnte ich Unmengen an Erinnerungsfotos schießen.

Gerade wenn es um andere Kulturen geht, herrscht oft ein Schubladendenken. Wie sind eure Erfahrungen mit diesen Stereotypen?

(CY) In China sind wir sehr offen für neue Kulturen und gewillt, diese Kulturen kennenzulernen. In sämtlichen chinesischen Lehrbüchern steht etwas über die deutsche Geschichte, die klassischen Musiker und Schriftsteller, wie z.B. Beethoven oder Goethe.  

(FD) Überrascht hat es mich, dass China ganz anders ist, als man denkt. Gerade im Bereich Essen wurde ich positiv überrascht. Klar gibt es die ein oder andere gewöhnungsbedürftige Sache aber größtenteils hat alles echt gut geschmeckt.

Welches Gericht oder Getränk hat euch besonders gut geschmeckt?

(CY) Leberkäse!

(FD) Getränk: Eastern Tea. Das ist ein Getränk bestehend aus schwarzem Tee, Getreide und einer Frucht nach Wahl. Gericht: Hotpot. Dies ist ein Eintopf, wie z.B. Hühnereintopf oder Pilzeintopf. Darin können während des Essens verschiedene Zutaten gekocht werden (Fondue ist hier sehr ähnlich).

Ihr konntet die Länder nun etwas besser kennenlernen. Gibt es etwas, dass euch besonders gut gefällt?

(FD) Im Vergleich zu Deutschland gibt es einen deutlichen Vorsprung im Bereich Mobilfunk, hohe Sicherheitsstandards in den Städten durch Überwachung, beeindruckende Bauten. Im Allgemeinen ist man hier viel schneller was Bauprojekte angeht, da lange Genehmigungsphasen etc. ausbleiben.

(CY) Die schöne Umgebung. Alles sieht sehr naturbelassen aus. Es gibt viele Bäume und Pflanzen. Das sollte sich China als Vorbild nehmen, um die Natur zu schützen.

Sind neue Freundschaften entstanden?

(FD) Ja, Charlie und ich sind während meiner Zeit in China und seiner Zeit in Deutschland gute Freunde geworden. Auch nach meiner Reise hatten wir immer noch Kontakt.

(CY) Oh ja, ich habe hier viele neue Freunde aus unterschiedlichen Kulturen gefunden. Das ist großartig!

Ihr könnt es also anderen empfehlen, diese Auslandserfahrung zu machen?

(FD) Ja, auf jeden Fall. Im Nachhinein ist wirklich alles super gelaufen. Ich wäre auch einer weiteren Reise durchaus nicht abgeneigt, da ich bei den Themen zur Optimierung gerne weiter Mitwirken würde. Ich kann nur jedem empfehlen, der an so etwas Interesse hat, es zu machen. Die verantwortlichen Personen (Hr. Breder, Fr. Voß, Hr. Frantz) sind hier sehr kooperativ und interessiert.

(CY) Ja, natürlich. Deutschland ist ein großartiges Land, von dem andere Nationen etwas lernen können. Deshalb ist es schön zu sehen, dass Präsident Xi Jingping und Kanzlerin Angela Merkel nun den menschlichen und kulturellen Austausch zwischen Deutschland und China fördern und zu mehr Zusammenarbeit in allen Bereichen wie Energie, Wirtschaft und Umweltschutz aufrufen. Die meisten Chinesen haben eine gute Meinung von Deutschland. Das spiegelt sich vielleicht darin wieder, dass geschätzt 30% der Autos in China deutsche Fabrikate sind. In den Großstädten ist die Anzahl der deutschen Autos sogar noch höher.

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